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Schon mal mit einer Pubertierenden „verhandelt“?

 

Die Problematik beginnt schon im Kindergartenalter. Schlange an der Supermarktkasse. Ihr Kind will den Lolli. Sie sagen einfach nur nein. Nach drei Sekunden weiß der gesamte Supermarkt, was von dieser „Verhandlungstaktik“ zu halten ist: nix! Also gehen Sie es beim nächsten Mal taktisch clever an. Und zwar so, dass Ihre Fünfjährige am Ende auch überzeugt ist, das es besser ist, den Lolli jetzt nicht zu kaufen. In der Pubertät wird das nicht besser. So viele Ideen, die da in den Köpfen der Heranwachsenden spuken. Alle sind toll, was Sie nicht immer so sehen. Beispiel: Amelies Tochter Marie. Sie kam auf die Idee, einen Bernhardiner in ihrem Zimmer zu verstecken. Mit dem Vorhaben: „Mama, den behalten wir jetzt, oder?“

In dem Fall einfach nur nein sagen? Amelie weiß sehr wohl, wie das enden würde. Also „verhandelt“ sie sehr geschickt. Und was bei Marie klappt, kommt bei ihren Mitarbeitern oder Kollegen im Unternehmen in vergleichbaren Situationen ebenso gut an.

 

Leseprobe:

„Marie, wie fändest du es, jeden Morgen um halb fünf aufzustehen – also auch im Winter, wenn es sehr, sehr kalt und nass draußen ist?“, frage ich beiläufig. „Um halb fünf? Bist du wahnsinnig, Mama? Niemals! Du weißt genau, wie schwer ich morgens aus dem Bett komme.“ 1 zu 0 für mich. Ich lege nach. „Okay, das verstehe ich gut. Und wie wäre es, zukünftig die Hälfte deines Taschengeldes an Papa und mich abzugeben?“ Mein Highlight-Argument trifft voll ins Schwarze. Maries Zornesfalten formieren sich. „Das ist jetzt nicht dein Ernst? Dann ziehe ich zu Oma und Opa und spreche nie wieder ein Wort mit dir!“ Okay, okay, jetzt schnell auflösen die Sache. In dem Zustand traue ich Marie alles zu. Auch, dass sie umgehend nach oben stürmt, ihre Koffer packt und wütend zu ihren Großeltern hinüberrennt. „Ich frage nur deswegen, da Benno großen Hunger hat, wie man sieht. Wer soll diese Massen an Futter bezahlen? Die Hälfte deines Taschengeldes bräuchten wir als Zuschuss dafür schon. Und jemand, der morgens mit ihm Gassi geht, bevor die Schule anfängt.“ Ich kann förmlich von außen zuschauen, wie es im Inneren von Maries Kopf zu rattern anfängt.

 

„Aber Mama, du könntest doch …?!“

„NEIN!“

„Papa vielleicht …?“

 

War ja klar. Wenn sie bei mir nicht weiterkommt, schnell ihren Papa ins Spiel bringen. Pech für Marie, denn auch wenn Philipp und ich teils sehr konträrer Meinung sein können – bei Marie sind wir uns immer einig. Das weiß sie auch. Ihr gehen daher so langsam die Argumente aus. Och, ich hätte bei Bedarf noch ein paar auf Lager. „Ich mache dir einen Vorschlag“, versuche ich die Biege zu kriegen. Denn das Problem ist ja immer noch nicht gelöst, sondern sitzt nach wie vor sabbernd im Flur. „Als Erstes fahren wir zu Paulas Mutter.“

„Mama, nein, niemals! Nicht zu Paulas Mutter, die darf davon nichts wissen!“ Maries Naivität ist manchmal zum Haareraufen. Weil Paulas Mutter das Verschwinden Bennos ja ganz sicher noch gaaaaaaar nicht bemerkt hat. Ist zudem total der Zufall, wenn sie im Verlauf zu Besuch bei ihrem Bruder verweilt und ein paar Häuser weiter einem Bernhardiner begegnet, der Benno verblüffend ähnlich sieht. Dann, ja dann erst fällt ihr zufällig wieder ein. „Huch, wo ist denn überhaupt unser Hundchen abgeblieben?“ Ich kläre Marie darüber auf. Ganz langsam und vorsichtig. Ratter, ratter. Maries Denkapparat arbeitet auf Hochtouren. „Okay, ich bin einverstanden!“, antwortet sie überraschend.

 

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