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Ruhe bewahren

Es gibt Momente, die lassen den Adrenalinpegel von jetzt auf gleich um das Fünffache anschwellen. Nicht immer einfach, in solchen Situationen die Ruhe zu bewahren. Besser ist das jedoch, weil eine Explosion die Situation grundsätzlich verschlimmert. Bei den lieben Kinderlein kennen das sicher alle Eltern. So lieb wir sie haben, in manchen Situationen könnte man glatt aus der Haut fahren. Besser wird die Sache damit allerdings auch nicht. Daher ist es gut, Mittel und Techniken zu kennen, die einen erst mal wieder runterbringen, bevor man als Elternteil handelt, herumschreit oder Dinge tut, die einem hinterher leid tun. Und das lässt sich prima auch auf Situationen im Unternehmen übertragen. Beispiel Amelie, bei der in einer Szene eine wahrhaftige Bombe im Büro platzt. Und so geht Amelie damit um …

 

Leseprobe:

Wenn ich in dieser Verfassung bei Willi aufkreuze, gleicht das einem Tornado mit der Stärke F4. Methodik eins, um mich wieder zu beruhigen, ist aktuell ganz schlecht. Ich habe bereits zu viel Quarktasche und Schokoriegel im Bauch. Noch mehr Zucker würde meinen Insulinspiegel sprengen und sowieso wäre Schokokuchen eindeutig besser. Also atme ich. Aber das muss ich ja sowieso. Bei Überschreitung eines gewissen Pegels an Wut ist es sehr vorteilhaft, Methodik drei zusätzlich mit anzuwenden. Das bewirkt Wunder, wenn meine Emotionen derart hochkochen:

Ich gehe in mein Büro zurück und schließe die Tür. Die Berge an Akten und Papierkram auf meinem Schreibtisch ignoriere ich gekonnt. Die laufen mir nicht weg. Der nächste Termin ist erst in zwei Stunden und davor will ich mir unbedingt noch Willi vorknöpfen. Bleibt also ausreichend Zeit zum Nichtstun – oder anders gesagt für die very special Meditation à la Amelie. Ich starre Löcher in die Luft, versuche an nichts zu denken und tue auch ansonsten nichts. Außer Atmen. Denn darauf kann ich selbst beim Nichtstun kaum verzichten. Zehn Minuten später, es klopft an. Ich reagiere nicht. Vorsichtig tritt Brigitte ein. „Frau Amelie, was machen Sie denn da?“ Ihr kommt die Situation seltsam vor.

 

„Ich mache nichts!“

„Nichts? Wieso nichts?“

„Nichts eben.“

„Gar nichts?“

„Nein!“

„Überhaupt nichts?“

 

Mein Verhalten verunsichert sie komplett. Lieber also mal detaillierter nachfragen.

 

„Nein, ich sitze hier einfach.“

„Sie sitzen da?“

„Ja.“

„Aber irgendwas machen Sie doch sicher?“

 

So langsam wird ihr die Sache unheimlich.

„Nein!“

„Denken Sie wenigstens an etwas?“

„Nichts Besonderes.“

„Vielleicht wollen Sie mal die Papiere hier anschauen?“

„Wenn ich mit Nichtstun fertig bin, tue ich das. Danke, Brigitte.“

 

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